Viele unserer Peruanischen Freunde und Verwandte hatten uns Huancaya als Ausflugsziel empfohlen: „Wunderschönes Städtchen in den Bergen mit traumhaften Wasserfällen“. Klingt doch wunderbar, also wurde der Ort schnell auf unserer Reiseroute mit eingeplant. Doch was jetzt kam hatten wir nicht erwartet.
Unser Ausgangspunkt war Lunahuaná, da es vom Meer aus schon an der richtigen Straße drei Stunden im Landesinneren liegt. Dort ging unsere Odyssee dann los. Das erste Problem war, dass es von Lunahuaná doch keinen Fahrtmöglichkeit Richtung Huancaya gab. Auf einen Local vertrauend sind wir also wieder 3 Stunden zurück nach Imperial gefahren, um von dort einen direkten Bus nach Huancaya zu nehmen. Aber natürlich gab es auch hier keinen Bus.

Umweg über Yauyos

Was es aber gab, war ein Combi nach Yauyos. Dieser Minibus fuhr jedoch sofort los, als wir dort ankamen. Also schnell rein, so ganz ohne Essen. Da wir natürlich auch die letzten Mitfahrer waren, haben wir die Premium-Plätze direkt hinter dem Fahrer in Blickrichtung der restlichen Kabine bekommen. Platz ist schon übertrieben, es war halt eine kleine Bank mit dem Fahrer- und Beifahrersitz als Lehne. Neben der Sitzqualität konnten wir uns aber auch an der körperlichen Nähe mit unseren Mitreisenden erfreuen. Was gibt’s schon schöneres als auf dieser Bank in einem Van zu viert und mit vier Leuten auf den Sitzen 30 cm gegenüber zu sitzen? Genau, wenn die Hälfte dieser Leute noch interessant riechende Speisen verzehrt. Gegen 12 Uhr nachts hatten wir es dann doch nach Yauyos geschafft und immerhin gab es noch eine Unterkunft. Ich glaube ich kann sagen, dass ich auf meinem Trip nettere Unterkünfte hatte, wahrscheinlich auch in 99,5% der Fälle, das war in diesem Moment aber auch wirklich egal. Immerhin haben wir nur schlappe 15 Soles (4,5 €) gezahlt.

Kann man den Locals in Yauyos trauen?

Puh, am nächsten Morgen ging die Odyssee weiter. Wir hatten im Hospedaje die Information bekommen, dass am nächsten Morgen um acht das Combi nach Huancaya fährt. Gegen sieben hämmerte es aber schon an der Tür: „Aufstehen, das Auto nach Huancaya fährt jetzt!“. Wir haben uns dann fix beeilt und sind runter auf die Straße und da nahm das Drama seinen Lauf. Die Hospedaje-Frau schickte uns zur Brotverkäuferin, weil diese angeblich Bescheid wisse. Diese schickte uns die Straße den Hang hinunter. Dort fragen wir zwei ältere Herren, wohin wir müssten. Diese erzählten uns erstaunt, dass es so einen Bus gar nicht gibt. Später am Mittag fährt lediglich einer. Jetzt wurden wir zum eigentlichen Terminal den Berg wieder hoch geschickt. Auf dem Weg haben wir nochmal im Hospedaje vorbeigeschaut und die Dame hat uns jetzt auch zum Terminal geschickt. Immerhin die erste übereinstimmenden Aussagen des Tages. JAY! Kurz vor dem Terminal wurden wir wieder gefragt wo es hin geht: Huancaya. Aber was würden wir denn am Terminal machen? Nene, da müssen wir zum Hauptplatz und dort fährt dann ein Combi nach Llamay. Von dort ist es dann nur noch ein Katzensprung bis nach Huancaya. Okay, also haben wir gewartet. Dann kam ein Kerl an und hat uns eine Taxifahrt nach Huancaya für 80 Soles (23,5 €) angeboten. Schon verdammt teuer. Wir haben uns letztendlich auf eine Fahrt nach Llamay für zehn Soles (3 €) pro Person geeinigt.

Wir wollten dem Combi aber noch einmal auf dem Grund gehen und haben sicherheitshalber im Terminal noch einmal nachgefragt. Qualifizierte Hilfe war aber natürlich auch dort rar. Aber hey, wir haben 2 Peruaner getroffen, die auch nach Huancaya wollten. Jetzt wird alles besser…..dachten wir zumindest. Laut den beiden sollte das Combi um neun fahren, es war mittlerweile viertel nach acht. Super. Das wollen wir dann nehmen. Das schien uns doch etwas vertrauenswürdiger als dieser andere Herr. Doch schon kam die nächste Hiobsbotschaft: Eine Frau, die so semi-offiziell wirkte, erklärte uns, dass der Van erst später, wenn überhaupt, fährt. Mhm. Blöd! Also wieder zurück zu unserer Mitfahrgelegenheit. Die Fahrt ging dann auch wirklich gegen halb neun los. Witzig war auf jeden Fall,  dass die beiden Peruaner vom Terminal auch auf einmal im Auto saßen. Wir saßen sogar nur zu dritt hinten. Purer Luxus in Peru. Vorne saßen sie auch zu dritt. Zum einen der Fahrer auf seinem Platz, eine Person auf dem Beifahrersitz sowie eine Person genau in der Mitte. Wir konnten uns auf einmal über ganz andere Dinge freuen. Es fuhren auch keine Tiere mit. Weiterer Pluspunkt. Von jetzt an ging auch alles ziemlich fix. Ein paar Stunden nach Llamas, umteigen in ein neues Taxi (weitere 12,5 Soles p.P – 3,5€.) und dann waren wir nach ein paar weiteren Stunden auch schon da. Ein wunder. Meine Reaktion: Auf die Knie sinken und den Boden von Huancaya küssen.

Es sind wohl genau diese Geschichten, warum ich mit dem Rucksack unterwegs bin. Eine Prise Chaos, eine Prise Abenteuer, eine Prise Unwissen, aber es funktioniert dann doch irgendwie.

Nico vor den Wasserfällen in Huancaya.

Aktivitäten in Huancaya

Huancaya selbst war dann auch sehr cool. Für Naturliebhaber genau das Richtige. Dies hier sind die Top Highlights:

1. Wandern in den Bergen

Wandern ist hier neben den Wasserfällen die Hauptattraktion. Ein Trip, den wir  ursprünglich gerne machen wollten war die Wanderung zum „Condor-Valley“. Mit einem Guide sollte das jedoch 60 Soles (17 €) kosten (Infos im „Brisa del Mayo“). So schwer kann das ja nicht sein dachten wir uns und sind dann auf eigene Faust losgezogen. Das „Condor-Valley“ haben wir zwar nicht gefunden, hatten aber einen grandiosen Tag.

Zunächst sind wir dem Weg nach Vilca gefolgen, haben uns aber auf der linken Flussseite gehalten. Nach etwa 500-700m kamen auf der linken Seite kleine Trampelpfade, die den Berg hinaufführen. Einem dieser Pfade, genauer gesagt Kuhtrampelpfade, sind wir schließlich gefolgt. Diesen Pfaden kannst du dann immer weiter den Berg hinauffolgen, bis du keine Lust mehr hast. Hier auf dem Bild siehst du ja, dass wir schon ein paar Höhenmeter überwunden haben.

2. Wasserfälle

Überall hier am Fluss findest du kleine Wasserfälle. Nicht wie ein Wasserfall im klassischen Sinn, aber eher wie viele kleine Terrassen. Diese sind super schön anzusehen und eignen sich optimal für ein Picknick.

3. Wanderung oder Tour nach Vilca

Die Wanderung im Talgrund entlang des Flusses bis nach Vilca ist sehr beliebt. Die Strecke ist sehr schön da du immer das Wasser an der einen Seite und die steilen Berghänge sogar auf beiden Seiten hast. Es gibt die Möglichkeit auf der Straße langzulaufen, wo regelmäßig Autos langfahren, oder aber auch auf der anderen Flussseite auf einem kleinen Pfad. Diesen kleinen Weg empfehle ich auf jeden Fall. Wir sind ihn aber nicht die ganze Strecke gefolgt, sondern irgendwann den Berg hinauf abgebogen. Ich würde es aber drauf ankommen lassen.

4. Forellenfarm

Verlässt du Huancaya über die Straße, über die du mit dem Combi oder Taxi angekommen bist, befindet sich direkt nach dem Dorfende ein großer Knick. Dort folgst du nicht dem Knick sondern gehst gerade aus und dann links etwas durch den Wald zum Fluss. Dort findest du eine Forellenfarm mit verschiedenen Becken. Wenn du Glück hast ist der Besitzer auch da und du bekommst eine kleine Führung (kostenlos). Seine größten Forellen sind sogar knapp einen Meter groß.

5. Forellen Essen

Überall in Huancaya bekommst du Forelle: Trucha, Trucha, Trucha. Lohnt sich! Sie ist die kulinarische Hauptattraktion und wird in allen erdenklichen Varianten angeboten.

6. Marktleben

Gerade abends spielt sich mehr Leben auf dem Platz ab teilweise sogar mir Musik.

Fazit zu Huancaya:

Huancaya ist für jeden genau das Richtige, der Lust hat den Gringotrail zu verlassen und ein bisschen Abenteuer zu haben. Die Hinfahrt ist etwas abenteuerlich und wer will kann auch vor Ort sein Abenteuer suchen.

PS: Leider sind mir die Bilder meiner guten Kamera (inklusive Kamera) abhanden gekommen, deshalb gibt es nur schöne Bilder mit uns drauf.

Praktische Tipps

Hinkommen nach Huancaya

Nachdem wir ja etwas rumgetestet haben würde ich diese Strecke empfehlen: Von Imperial aus nach Yauyos, von Yauyos nach Llamay und von Llamay nach Huancaya. Imperial ist sehr einfach mit den großen Busfirmen von Lima oder Ica zu erreichen. Dnaach wird es etwas tricky und du musst dich etwas durchfragen. Die Combisa fahren aicherlich auch nur sehr unregelmäßig und du solltest etwas Zeit mitbringen.

Weiterreisen von Huancaya

Von Huancaya kannst du recht einfach ein Combi nach Huancayo nehmen. Achtung, Verweckslungsgefahr. Von dieser großen Stadt gibt es viele Möglichkeiten weiterzureisen, z.B. Tarma oder La Merced

Übernachten in Huancaya:

Brisa del Mayo ist die „beste Unterkunft am Platz“ und die einzige Unterkunft mit eigenem Bad, aber immer noch sehr einfach gehalten. Ansonsten gibt es unzählige Hospedajes im Dorf (an Feiertagen 20 Soles p.P., in ruhigeren Zeiten sicher günstiger).

Kleidung

Es kann hier in der Nacht sehr kalt werden. Also denk auf jeden Fall dran etwas Warmes einzupacken. Für die Nacht ist je nach Kälteempfinden auch ein Extra-Schlafsack zu empfehlen, den du noch unter die Decken legen kannst.

Bargeld & Internet

In Huancaya gibt es weder einen Bankautomaten noch Internet. Von daher solltets du dich gut vorbereiten. Die meiste Zeit hatte ich mit meiner peruanischen SIM-Karte auch keinen Empfang

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